After-Work-Event zum Weltübersetzertag

von Reinhild Möller

Zeughaus Mannheim

Der 30. September ist der Internationale Tag des Übersetzens. Die Landesverbände Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) organisierten aus diesem Anlass ein After-Work-Event für ihre Mitglieder im Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. exact! ist der Einladung gern gefolgt und blickt auf eine humorvolle und aufschlussreiche Veranstaltung zurück.

Auf dem Programm stand zunächst ein Vortrag über den Heiligen Hieronymus, den Schutzpatron unserer Berufsgruppe und Namensgeber des Internationalen Tags des Übersetzens, auch Hieronymustag genannt. Anschließend wurden in einer Podiumsdiskussion die Chancen und Risiken des Maschinellen Übersetzens (MÜ) erörtert. Nach den inhaltlichen Programmpunkten blieb in der schönen Atmosphäre des Florian-Waldeck-Saals genügend Zeit zum lockeren Austausch und entspannten Feiern.


Wie tauglich ist Hieronymus für unseren Berufsstand?

Barbara Sabel, Fachübersetzerin für Landtechnik und Mentorin im BDÜ, eröffnete das After-Work-Event mit einem ebenso kritischen wie humorvollen Vortrag über die Relevanz des Heiligen Hieronymus für den modernen Übersetzeralltag.

Auch wenn der Heilige in ihrem Vortrag nicht uneingeschränkt als leuchtendes Vorbild davonkommt, schließt Sabel damit, dass Hieronymus mit einem sehr wichtigen Charakterzug punkten kann: Er wagte etwas Neues und war aus Sicht der damaligen Zeit innovativ. Er hatte den Mut, sich an die Übersetzung einer so wichtigen Schrift wie das Alte Testament heranzuwagen. Und an genau diesen Charakterzug muss der Verband der Dolmetscher und Übersetzer heute anknüpfen. Unsere Berufsgruppe braucht Initiativkraft, Innovation, ein neues Bild von uns als Übersetzern. Übersetzer dürfen sich von der Digitalisierungswelle nicht überrollen lassen, sondern müssen ihre Zukunft aktiv mitgestalten. Das war Thema der anschließenden Podiumsdiskussion.


Maschinelle Übersetzung als Chance wahrnehmen

Das digitale Zeitalter – der Wandel – sitzt uns Übersetzern im Nacken. Wer wird künftig im Übersetzungsprozess den Ton angeben: der Mensch oder die Maschine? Welche Geschäftsmodelle funktionieren in Zukunft noch? Wie müssen wir uns anpassen? Diese Fragen wurden von den Podiumsgästen Dr. Kelly Neudorfer, Deborah Fry, Dr. Daniel Falk und Julia Böhm diskutiert. Souverän moderiert hat die Gesprächsrunde Simon Diez, Übersetzer, Dolmetscher und Moderator.

Am Ende der Podiumsdiskussion war deutlich: MÜ ist nur ein weiteres Tool. Übersetzer stehen nicht im Wettbewerb mit den Maschinen, sondern mit den Menschen, die die Maschinen besser bedienen können. Unsere Berufsgruppe sollte MÜ als Chance sehen und sich darüber klar werden, was die Maschinen leisten können und was nur durch den gesunden Menschenverstand abzudecken ist. Dann können Übersetzer ihre Kunden beraten, wann der MÜ-Einsatz sinnvoll ist und wann nicht. In diesem Sinne endete die Podiumsdiskussion mit einem Zitat von Stephen Hawking: Intelligence is the ability to adapt to changeIntelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen.


Feierlicher Abschluss

Nach all den inhaltlichen Inspirationen haben die Teilnehmer den Abend bei entspannter Livemusik und anregenden Gesprächen ausklingen lassen. Wir bedanken uns für eine rundum gelungene Veranstaltung und freuen uns auf die anstehende 3. internationale Fachkonferenz des BDÜ  zum Thema „Übersetzen und Dolmetschen 4.0“, die vom 22.–24. November in Bonn stattfindet, und auf der wir mit Spannung die Diskussion zum Thema MÜ weiterverfolgen.